Jahresbericht 2018

Allgäuer Moorallianz

nach oben

Artenschutzmaßnahmen für Hochmoor-Gelbling, Strauch-Birke und Sumpf-Enzian und Co

Der Hochmoorgelbling (Colias palaeno), Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer
Der Hochmoorgelbling (Colias palaeno), Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer
Die Strauch-Birke (Betula humilis), Foto: Herbert Stadelmann
Die Strauch-Birke (Betula humilis), Foto: Herbert Stadelmann
Der Sumpf-Enzian (Swertia perennis), auch Blauer Tarant oder Blauer Sumpfstern genannt, Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer
Der Sumpf-Enzian (Swertia perennis), auch Blauer Tarant oder Blauer Sumpfstern genannt, Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer

Maßnahmen zum Schutz der Moore stehen oft in Verbindung mit dem Einsatz großer Bagger, die breite Dämme bauen und Massen an Materialien bewegen. Einen großen Teil der Arbeit zum Schutz der Allgäuer Moore aber machten (auch) 2018 vergleichsweise unspektakuläre Maßnahmen aus, die für die Natur im Allgäu jedoch von umso größerem Wert sind.

 

Meistens geht es bei den Kleinmaßnahmen um das Bewahren seltener Arten, die seit langer Zeit in den Natur- und Kulturlandschaften unserer Heimat vorkommen und die die Natur des Allgäus so besonders machen. Da sich viele dieser Artenvorkommen aber unter anderen natürlichen oder landwirtschaftlichen Bedingungen entwickelt haben, als sie heute vorherrschen, müssen ihre Lebensbedingungen gezielt und mit besonderem Bedacht geschützt werden. Einige dieser Schätze, die in den Allgäuer Mooren noch zu finden sind sowie die nötigen Maßnahmen zu deren Schutz möchten wir in diesem Jahr etwas genauer vorstellen.

 

Der Hochmoor-Gelbling

 

Um diese Art im Alpenvorland weiterhin zu erhalten, muss ein Mosaik unterschiedlicher Moorstandorte erhalten werden. Denn der hübsche, gelb leuchtende Schmetterling benötigt neben den Hochmoor-Randlagen, wo er in der Rauschbeere die einzige Futterpflanze für seine Raupen findet, auch daran anschließende blütenreiche Wiesen, beispielsweise Streuwiesen, um seinen hohen Nektarbedarf zu decken. All diese Flächen dürfen nicht zu stark verschattet sein und müssen deshalb von zu starker Verbuschung und Gehölzaufwuchs freigehalten werden. Die wichtigsten Maßnahmen der Moorallianz zur Erhaltung des Hochmoor-Gelblings sind deshalb einerseits die Entbuschung geeigneter Lebensräume am Hochmoorrand, die Optimierung von Raupen-Habitaten durch Sanierung des Wasserhaushalts und die Freihaltung von Korridoren in die anschließenden Niedermoore. Gleichzeitig müssen die Niedermoore in der landwirtschaftlichen Nutzung gehalten und einmal jährlich gemäht oder zumindest arten- und blütenreiche Säume am Moorrandwald erhalten oder entwickelt werden.

 

Die Strauch-Birke

 

Die Strauch-Birke ist ein Relikt aus der letzten Eiszeit, das sich auf lichten Moorflächen bis heute halten konnte. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Birke in der Wuchsform eines Strauches, der je nach Wachstumsbedingungen zwischen 30 cm und drei Metern hoch wird. Wichtig ist für diese Art, das Überhandnehmen von Konkurrenzpflanzen und Wildverbiss zu verhindern. Dazu werden Bestände eingezäunt und andere Bäume und Sträucher vorsichtig ausgelichtet. Außerdem müssen die Pflanzen in Mahd-Flächen so gekennzeichnet werden, dass sie nicht umgemäht werden. Wie bei allen Moorgewächsen sollte auch der Wasserhaushalt der entsprechenden Fläche saniert werden, um die Art und die für sie wichtigen kleinklimatischen Bedingungen weiterhin zu erhalten.

 

Der Sumpf-Enzian / Blauer Tarant

 

Die Sumpf-Enzian, auch Blauer Tarant oder Blauer Sumpfstern genannt, ist wohl eine der schönsten Pflanzen, die es in der Allgäuer Kulturlandschaft zu finden gibt. Er hat sein deutsches Verbreitungszentrum im Voralpinen Moor- und Hügelland, seine ehemaligen Vorkommen in Nordostdeutschland sind weitgehend erloschen. Die Kerngebiete der Allgäuer Moorallianz sind für den Erhalt dieser Art also von bundes- und sogar von europaweiter Bedeutung. Wichtig sind für den spät blühenden Enzian (September, Oktober) vorzugsweise spät gemähte Streuwiesen, junge bis mittelalte Brachen und lückige Moorwälder. Die Aufgabe der Moorallianz besteht darin, auf Projektflächen die passenden Mahdzeitpunkte und -abstände zu organisieren und die korrekte Pflege zu veranlassen. Die Schwierigkeit besteht oft darin, dass die Streuwiesen zum passenden Mahdtermin in den Monaten September und Oktober bereits höhere Wasserstände haben, die das Mähen sehr erschweren können und angepasste Maschinen, zum Beispiel Einachsgeräte für die Mahd, Bergetechnik mit Zwillingsbereifung oder mit Raupenfahrwerk, erfordern.

nach oben

Renaturierungsmaßnahmen im Räsenmoos begonnen

Im Räsenmoos laufen seit November Renaturierungsmaßnahmen.
Im Räsenmoos laufen seit November Renaturierungsmaßnahmen.

Anfang November hat die Moorallianz nach intensiver Vorbereitung die große „Renaturierungsbaustelle“ im Räsenmoos bei Geisenried (Marktoberdorf) eröffnet. Als zentrales Vorhaben soll ein Entwässerungsgraben außer Funktion gesetzt werden, der dort vor Jahrzehnten durch das Zentrum dieses sehr wertvollen Hochmoores gezogen wurde. Weitere Vorhaben sind in Planung.

nach oben

Exkursionen und Veranstaltungen

Exkursion des Ostallgäuer Kreistages ins Sailachmoos bei Seeg
Exkursion des Ostallgäuer Kreistages ins Sailachmoos bei Seeg

Wie in jedem Jahr führte das Projektteam der Allgäuer Moorallianz auch im Jahr 2018 einige Exkursionen und Veranstaltungen durch, um Vertreter*innen unterschiedlicher Interessengruppen die Ziele und Vorgehensweisen von Moorschutz und Moorrenaturierung näherzubringen.

 

Im Juni führte Dr. Ulrich Weiland den Umweltausschuss des Oberallgäuer Kreistages und im Juli den Ostallgäuer Kreistag ins Moor. Der Projektleiter zeigte den Politiker*innen am Beispiel zweier Dammbauwerke im Sulzschneider Wald und in den Hochmooren Sailach- und Hochmoos westlich von Buchach bei Seeg, wie angewandter Moorschutz aussieht.

 

Projektmitarbeiterin Simone Reylaender leitete im August eine Exkursion ins Hertinger Moos, bei der sie den Teilnehmern*innen der Klimaradtour des Bund Naturschutz die Besonderheiten dieses Moores zeigte und die erforderlichen und geplanten Renaturierungsmaßnahmen vorstellte.

 

Im Oktober veranstalteten der Landschaftspflegeverband Ostallgäu e. V. und die Allgäuer Moorallianz gemeinsam einen Landschaftspflegertag am Elbsee, bei dem sich die Landschaftspfleger*innen austauschen sowie neue Maschinen in Aktion ansehen konnten.

Kontakt

Projektbüro Allgäuer Moorallianz

Schwabenstraße 11

87616 Marktoberdorf

Tel. 08342 911-260

Fax 08342 911-564

 

E-Mail schreiben

 

Zur Homepage der Allgäuer Moorallianz