Jahresbericht 2020

Demenz

Plenum zum Thema Pflegekräftegewinnung mündet in Ausbildungsverbund Pflege

Reger Austausch darüber, was man tun kann, um Pflegefachkräfte für die Region zu gewinnen (rechts im Bild Johanna Burkart von der Allgäu GmbH)
Reger Austausch darüber, was man tun kann, um Pflegefachkräfte für die Region zu gewinnen (rechts im Bild Johanna Burkart von der Allgäu GmbH)

Der Landkreis Ostallgäu veranstaltete am Mittwoch, den 29. Januar 2020, ein Plenum mit dem Thema „Pflegekräfte gemeinsam und aktiv gewinnen“. Der Austausch mit hochkarätigen Expert*innen aus verschiedenen sozialen Bereichen fand an sechs Thementischen statt, an denen sich die rund 100 Teilnehmer*innen informieren konnten. Überschriften wie „Starke Pflege im Ostallgäu braucht eine Kommunikationsstrategie“, „Digitalisierung in der Pflege – Hemmschuh oder Chance für die berufliche Pflege“, „Lebensqualität für Generationen – Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf ist möglich“, „Brücken zur beruflichen Pflege – Ehrenamtlichen-Schulungen, Bundesfreiwilligendienst & Co“, „Schülerinnen und Schüler für die Pflege begeistern – mit regionaler Vernetzung Nachwuchskräfte für die Region sichern“, „Keiner darf verloren gehen – Problemlöser in der Pflegeausbildung“ lockten die Anwesenden in den anregenden Austausch miteinander.
  
„Die Pflege hat eine Imageverbesserung nötig“ sagte Landrätin Rita Maria Zinnecker. Eine Stellschraube an der gedreht werden kann, sei die öffentliche Darstellung des Pflegeberufs. Unter wurde mit dem Start-Up-Gründer Jasper Böckel von der Myosotis GmbH aus Berlin wurde kontrovers über die Chancen digitaler Angebote in der Pflege diskutiert. Roland Müller, Berufsberater im Ruhestand, stellte den von ihm begleiteten Kreis (Projekt VerA Allgäu) von Berufstätigen vor, die Auszubildenden zur Seite stehen. Annett Schlegel, vom Betreuungsnetzwerk aller Generationen des Mehrgenerationenhauses Kronach sensibilisierte die Zuhörer für eine verbesserte Vereinbarkeit von (Pflege-)Beruf und Familie. Sie warb für die Etablierung gemeindenaher professioneller Vermittlungsstrukturen von Betreuungsleistungen für Alt und Jung.
  
Die Ergebnisse dieses ersten Plenums des Netzwerks Pflege sind sowohl für den Demenzbeauftragten als auch für viele weitere Fachstellen des Landkreises wichtige Grundlagen, insbesondere zur Bearbeitung des großen Themas Fachkräftemangel in der Pflege. Im Rahmen der pandemiebedingten Möglichkeiten fand in mehreren Arbeitsgruppen während des ganzen Jahres die Konkretisierung dieser Impulse statt und so gelang es beispielsweise Ende Oktober, einen Ausbildungsverbund Pflege zu initiieren. 14 Träger der praktischen Ausbildung, zwei Pflegefachschulen sowie die Hochschule Kempten haben sich dazu entschlossen zukünftig in der Realisierung der generalistischen Pflegeausbildung eng zusammen zu arbeiten und sich aufeinander abzustimmen. Koordiniert wird dieser Ausbildungsverbund Pflege gemeinsam von der Fachstelle Demenz und der Fachstelle Senioren, die auch für das Stadtgebiet Kaufbeuren die Koordination übernehmen. Auch eine Förderung des Freistaates hierfür wurde beantragt.

 

 

 

 

 

 

„WIR in Westendorf“ – Helferkreis für den ländlichen Raum

Der neue Helferkreis „WIR in Westendorf“ steht zur Unterstützung pflegebedürftiger Nachbarn und ihrer Angehörigen bereit.
Der neue Helferkreis „WIR in Westendorf“ steht zur Unterstützung pflegebedürftiger Nachbarn und ihrer Angehörigen bereit.

Die Fachstelle Demenz des Landkreises Ostallgäu entwickelte gemeinsam mit dem Bayerischen Weißen Kreuz und der Gemeinde Westendorf neue Angebote zur Unterstützung von pflegenden Familien in der Gemeinde und näheren Umgebung. Die mit „WIR in Westendorf“ gewählte Form der Zusammenarbeit geht neue Wege und steht modellhaft für ein Zusammenwirken von Landkreis, Gemeinde und Wohlfahrtspflege.
  
Künftig soll die „Westendorfer Gemeindeschwester“ die Koordination der Besuchsdienst-Angebote übernehmen und Angebote der Gesundheitsbildung und Gemeinschaftsförderung organisieren. Diese wird in Teilzeit ab 2021 direkt bei der Gemeinde angestellt. Bis dahin unterstützt der Demenzbeauftragte des Landkreises, Stephan Vogt, gelernter Krankenpfleger, die Mitarbeiter des Bayerischen Weißen Kreuzes bei der Aufbauarbeit. Mit der Initiative wird die bessere Vereinbarkeit von häuslicher Pflege, Beruf und Familie und damit ein möglichst langer Verbleib in der Gemeinde unterstützt. Begegnungsangebote für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in den Räumlichkeiten der alten Bäckerei runden das Angebot in Westendorf ab. Dort fördert künftig ein Team von Fachkraft und Ehrenamtlichen einmal die Woche mit kurzweiligen Gemeinschaftsaktivitäten Körper und Geist der Gäste.
   
Ein 40 Unterrichtseinheiten umfassender Kurs, der aufgrund der Corona-Pandemie für Monate unterbrochen werden musste, bereitete insgesamt 20 Teilnehmer*innen auf die Aufgaben in der Begleitung von Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen vor. Der generationenübergreifenden Schulungsgruppe wurde Basiswissen zum gesunden Altern und einem guten Umgang mit Pflegebedürftigkeit vermittelt. Zudem wurden die Teilnehmer*innen für die besondere Situation von Menschen mit Demenz sensibilisiert. Unterrichtseinheiten zum Betreuungsrecht, den Leistungen der Pflegeversicherung, dem Notfallhandeln, der Gesprächsführung sowie der Begleitung und Unterstützung bei der Haushaltsführung ergänzten den Bildungsplan.
  
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung freute sich Vogt, der die Schulungsleitung übernommen hatte, über die hohe Aufmerksamkeit in der Gemeinde für die Belange pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehöriger. So wurde aus dem Motto des diesjährigen Welt-Alzheimer-Tages „Demenz – wir müssen reden“ ein „Demenz – wir können reden“. Bürgermeister Fritz Obermaier, der ebenfalls an allen Schulungsabenden teilnahm, resümierte: „Jedes Thema war äußerst interessant“. So habe er sich aufs Neue sehr auf jeden Montagabend gefreut.

Gemeinsam die Versorgung bei Demenz verbessern

Die Fachstelle Demenz am Landratsamt Ostallgäu beteiligt sich am Forschungsprojekt „Digitales Demenzregister Bayern“, kurz digiDEM Bayern. Das Projekt zielt darauf ab, die Lebensbedingungen von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert.
 
Im Landkreis Ostallgäu leben rund 2.700 demenziell Erkrankte. Diese Zahl wird bei gleichbleibenden Erkrankungsrisiko in 15 Jahren auf etwa 3.700 weiter anwachsen. Die Begleitung der Betroffenen stellt für die Angehörigen eine der größten Herausforderungen dar. Dieser Herausforderung begegnet digiDEM Bayern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, des Universitätsklinikums Erlangen und des Medical Yalley EMN e.V. mit digitalen Lösungen.
 
Befragungen in ganz Bayern 
 
So baut digiDEM Bayern ein digitales Demenzregister auf, um den Langzeitverlauf der Erkrankung besser zu verstehen und einen Überblick der Angebotslandschaft zu erhalten. Forschungspartner*innen aus allen sieben Regierungsbezirken Bayerns, darunter die Fachstelle Demenz des Landkreises, die Einrichtung Lebensfreude aus Marktoberdorf und die Fachkräfte des Bürgervereins am Lech e.V. aus Lechbruck, befragen dafür Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz und ihre pflegenden Angehörigen zu ihrer Situation. So soll ein umfassendes Bild der Lebensbedingungen entstehen. Mögliche Angebotslücken können aufgedeckt und die Entwickler von Angeboten über die notwendigen Versorgungsbedarfe informiert werden. Die Befragungen können persönlich, aber auch virtuell durchgeführt werden. Die Forschungspartner des interdisziplinären Projektverbunds haben dafür weltweit anerkannte Demenz-Screening-Tests so angepasst, dass sie auch per Videokonferenz möglich sind. Dies bietet einen flexiblen, niedrigschwelligen und in Zeiten von Corona vor allem sicheren Zugang für Betroffene.
 
Digitale Angebote für Betroffene und Interessierte 
 
Darüber hinaus wird digiDEM Bayern Online-Angebote zur Demenz-Versorgung bereitstellen. Geplant sind unter anderem die digital basierte MAKS-Therapie für Betroffene und die „Angehörigen-Ampel“, die pflegenden Angehörigen mittels gezielter Fragen den Grad ihrer persönlichen Belastung anzeigt und ihnen damit einen Anstoß zur Veränderung ihrer Lebenssituation gibt. Zwei digitale Angebote stellt digiDEM Bayern bereits zur Verfügung: Regelmäßige Webinare und einen Newsletter bieten dem Ostallgäuer Demenzhilfe-Netzwerk evidenzbasierte, allgemeinverständliche Informationen aus der aktuellen Demenz-Forschung. Kleine Bildungshappen mit großer Wirkung. Für diese kostenlosen Angebote können sie sich hier anmelden: https://digidem-bayern.de/.

Kontakt

Landratsamt Ostallgäu
Soziale Entwicklung
Alexander Zoller

Tel. 08342 911-435
Fax 08342 911-563
 
E-Mail schreiben