Jahresbericht 2021

Landschaftspflegeverband

Landschaftspflege: Mahd von Wiesenhängen, Entbuschung von Grünland und Elektro-Abfischung

Im Jahr 2021 wurden im Bereich der „klassischen“ Landschaftspflege Aufträge mit einem Gesamtvolumen von ca. 400.000 Euro abgewickelt. Einen großen Anteil hat dabei die Mahd von Wiesenhängen und Streuwiesen und die Entbuschung von Grünland ausgemacht, aber auch mehrere Auflichtungen auf Almweideflächen waren dieses Jahr dabei. Bei den winterlichen Entbuschungsarbeiten gab es durch die lange Schneelage bis in den Frühsommer hinein erhebliche Verzögerungen. Die sommerlichen Mäharbeiten wurden dann durch den feuchten Sommer sehr erschwert, und manche bis in den Herbst nasse Flächen konnten nicht wie geplant gemäht werden.

 

Im September hat der LPV einen Höhenrekord aufgestellt, denn oberhalb der Bärenmoosalpe bei Pfronten wurde mit Hilfe einer Forstseilbahn der zu dicht gewordene Fichtenbestand auf einer Weidefläche aufgelichtet und kleinere Fichten wurden in Handarbeit geschwendet. Das Projektgebiet reichte bis auf 1.415 Metern Höhe, so weit oben gab es bisher noch kein Landschaftspflegeprojekt im Ostallgäu.

 

In einem Kiesgrubengelände bei Germaringen wurde in einem Teil der Teiche eine Elektro-Abfischung durchgeführt, um den vorhandenen Fischbestand zu reduzieren. Dies dient dem Schutz von seltenen Amphibienarten wie Gelbbauchunke, Laubfrosch und Kammmolch, deren Laich und Jugendstadien von Raubfischen stark dezimiert werden.

 

Des Weiteren wurden 2021 im Rahmen von Landschaftspflegeanträgen unter anderem Streuobstwiesen und Feldgehölze angepflanzt, artenreiches Grünland extensiv beweidet, Neophythen wie Riesen-Bärenklau und Goldrute beseitigt, ältere Hochstammobstbäume fachgerecht geschnitten und Amphibientümpel entschlammt.

 

Maßnahmen im Rahmen des Bayerischen Klimaschutzprogramms (KLIP=) gab es vor allem in den Bereichen Gennachmoos, Dachssee und Eschacher Moos. Außer dem Ziel des Klimaschutzes dienen die Anstau- und Entbuschungsmaßnahmen hier auch der Lebensraumverbesserung für moortypische Arten wie der Kreuzotter und dem Hochmoor-Gelbling, einer Tagfalterart.

Zusammenarbeit mit dem Verein Bergwaldprojekt e.V.

Nachdem schon in den vergangenen Jahren durch die Kooperation mit „Lebensraum Lechtal e.V.“ Teilnehmer vom „Bergwaldprojekt e.V.“ für  ein bis zwei Tage ehrenamtlich Landschaftspflegearbeiten im Ostallgäu übernommen haben, ist seit 2021 der LPV Ostallgäu der Maßnahmenträger, und die Zusammenarbeit konnte intensiviert und ausgeweitet werden. Anfang Juli waren 20 Freiwillige vom deutschlandweit aktiven Verein Bergwaldprojekt  eine Woche im Ostallgäu mit händischen Landschaftspflegearbeiten  beschäftigt. Sie halfen beim Dezimieren von Goldrutenbeständen auf den Kiesbänken des Halblechs, wo die seltene und konkurrenzschwache Deutsche Tamariske vorkommt, und verschafften der geschützten Orchidee Frauenschuh auf Bergwaldlichtungen wieder mehr Licht.

 

In Zukunft soll jetzt jedes Jahr eine ganze Arbeitswoche des Bergwaldprojekts im Ostallgäu stattfinden, wobei sich der LPV federführend um die Planung des jährlichen Arbeitsprogramms und die Beantragung der Fördergelder kümmert.

BioDiv-Projekt zum Wiesenbrüterschutz bei Lamerdingen

Schon seit einigen Jahren engagiert sich der LPV für den Kiebitzschutz im nördlichen Landkreis. So wurde auch 2021 wieder ein Biodiversitäts-Projekt dazu durchgeführt. Seit 2021 ist bei diesem schwabenweiten Projekt auch der Landschaftspflegeverband des Landkreises Augsburg als Projektträger mit dabei und kümmert sich um die südlichen Bereiche seines Landkreises, die teils direkt an die Ostallgäuer Kiebitz-Brutreviere angrenzen.

 

Leider konnte 2021 keine Infoveranstaltung für alle Landwirte im Projektgebiet stattfinden wie in früheren Jahren. Aber zum einen erhielten die Landwirte ein entsprechendes Anschreiben, und zum anderen gab es dazu auch verschiedene Presseartikel. Viele Flächenbewirtschafter waren schon durch die vergangenen Jahre informiert und sehr aktiv dabei. Ein großer Anteil der Kiebitznester wurde von den schon dafür sensibilisierten Landwirten selbst entdeckt und gemeldet. Für das Auslassen eines Bewirtschaftungsfensters rund um ein Kiebitznest und ggf. Verschiebung des Bewirtschaftungsbeginns (bei mehreren Nestern auf einem Acker) wurde über Ersatzgeldmittel der Unteren Naturschutzbehörde eine Entschädigung an die Landwirte gezahlt.

 

Die ersten Kiebitze brüteten schon vor Ostern, mussten aber dann aufgrund eines Kälteeinbruchs wieder aufgeben. Erst die späteren Bruten erbrachten dann 26 flügge Junge bei insgesamt 42 betreuten Brutpaaren im Landkreis Ostallgäu. Günstig wirkte sich die feuchte Witterung aus, die für reichlich Nahrung für die Jungvögel sorgte.

 

Die sehr große Bereitschaft der Landwirte, bei dem Projekt mitzumachen und Bewirtschaftungseinschränkungen zu akzeptieren, führte dazu, dass im Jahr 2021 kein einziges der bekannt gewordenen Kiebitznester durch Bewirtschaftungsmaßnahmen verloren ging. An dieser Stelle sollte auch der unermüdliche Einsatz der ehrenamtlichen Wiesenbrüter-Betreuer Alex Klose und Johnny Fritzsche während der Brutsaison besonders erwähnt werden.

Neues Projekt zum Biotopverbund Kaufbeuren - Pforzen

Zwischen der Stadt Kaufbeuren und der Gemeinde Pforzen soll die Biotopverbundachse im Bereich der Wertachaue gestärkt und optimiert werden. Im August wurde für dieses mehrjährige Projekt mit einem Planungsbüro ein Werkvertrag abgeschlossen. Eine erste Umsetzung erfolgte im Sommer durch die Anlage eines „Wildbienenhügels“ für erdbewohnende Bienen und andere Hautflügler. In Zukunft soll dort entlang vorhandener Wege im Wertachtal auch ein Umweltlehrpfad entstehen.

 

BioDiv-Projekt zur Entwicklung artenreicher Wiesen („Wiesenhilfsprojekt Blütenreich Ostallgäu“)

Für das neue Biodiversitätsprojekt „Wiesenhilfsprojekt Blütenreich Ostallgäu“, das Ende 2020 gestartet ist und über vier Jahre läuft, konnte am 1. Februar die Ökologin Frau Claudia Gruber als Projektmanagerin gewonnen werden.

 

Im Fokus des Projektes stehen artenreiche Mähwiesen des Flachlands (Lebensraumtyp 6510) sowie der Bergregionen (Lebensraumtyp 6520), die in Deutschland zu den am stärksten bedrohten Lebensraumtypen gehören. Vor allem im Ostallgäu, das aufgrund der klimatischen Bedingungen am Alpenrand zu den klassischen Grünlandregionen gehört, waren diese beiden Wiesentypen noch vor vier Jahrzehnten landschaftsprägend. Mit der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft und der Entwicklung hin zur Silofütterung in der Milchviehhaltung jedoch gingen die artenreichen Mähwiesen nach und nach verloren und verwandelten sich in artenarme Grünland-Monokulturen. Das Projekt hat zum Ziel, diese bedrohten Lebensraumtypen zu schützen und zu fördern.

 

Das erste Projektjahr war geprägt von vorbereitenden Arbeiten, vor allem für den Aufbau des Spenderflächenkatasters. Grundlage hierfür ist eine möglichst großräumig angelegte Kartierung des Landkreises, um intakte, als Spenderflächen geeignete Wiesenrelikte aufzuspüren. Gleichzeitig konnte von bereits bekannten artenreichen Wiesen mit einem Spezialgerät zum Ausbürsten der Samen autochthones (= gebietsheimisches und an das lokale Klima angepasstes) Saatgut geerntet werden. Durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit konnten zahlreiche Interessierte erreicht und deren potentielle Spenderflächen besichtigt werden. Ein begleitendes Monitoring (= Bestandserfassung) von Tagfaltern zur Überprüfung einer möglichen Degradierung von Spenderflächen über die Jahre hinweg wurde aufgenommen.

 

Bereits im ersten Projektjahr fällt auf, dass der limitierende Faktor nicht etwa, wie befürchtet, in der zu kleinen Anzahl möglicher Empfängerflächen, sondern vielmehr in einer zu geringen Verfügbarkeit von Spenderflächen liegt. Sowohl bei Gemeinden, Landwirtinnen und Landwirten, Imkerinnen und Imkern, als auch bei einigen Privatpersonen mit Flächenbesitz ist das Wiesenhilfsprojekt auf großes Interesse gestoßen.

 

In den kommenden Jahren gilt es, vor allem die Ergebnisse der Spenderflächenkartierung optimal zu verknüpfen mit den Empfängerflächen der interessierten Freiwilligen, um so die Gesamtfläche der Lebensraumtypen 6510 und 6520 im Landkreis zu erhöhen. Um diese Flächen auch untereinander optimal zu verknüpfen wird ein weiteres Augenmerk auf der Verbesserung des Biotopverbunds liegen.

Spezieller Artenschutz

Für den Blauschillernden Feuerfalter, dessen Lebensraum erhalten und verbessert werden soll, wurde ein Sonderprojekt im Gebiet Kempter Wald begonnen, das bis Ende 2022 läuft. Flächeneigentümer und Anrainer sollen intensiv beraten und informiert werden, um sie für die besonderen Maßnahmen zu sensibilisieren, die hier zu empfehlen sind. Der vom Aussterben bedrohte Schmetterling mag keine abrupt und gerade an Streuwiesen angrenzende Waldränder, sondern Übergangszonen mit Brachestadien und locker stehenden Büschen. Dazu wurde ein Werkvertrag abgeschlossen.

Mitarbeit an FFH-Managementplänen

Im Jahr 2021 unterstützte der Landschaftspflegeverband Ostallgäu e.V. die Erstellung mehrerer FFH-Managementpläne bzw. war in die Planung von Umsetzungsmaßnahmen eingebunden, z.B. für die Gebiete „Pfrontener Wasenmoos und Moore um Hopferau“, „Ammergebirge“, „Naturschutzgebiet Bannwaldsee“ und „Falkenstein, Alatsee, Faulenbacher- und Lechtal“.

Veranstaltungen: Pilzexkursion und Praxistag am Bannwaldsee

Am 9. Oktober leitete Rüdiger Kroll eine Pilzexkursion mit 18 Teilnehmern bei Oberthingau, ansonsten war das Exkursionsangebot leider stark eingeschränkt aufgrund der Corona-Regelungen. Zusammen mit der Allgäuer Moorallianz und den Mitarbeitern des EFRE-Projektes „Innovativer Klima- und Moorschutz im Ostallgäu“ beteiligte sich der LPV an der Neuauflage des Theaterstücks „Moorgaukler“ durch die Mobilé-Theatergruppe während der Ostallgäuer Klimawoche im Oktober; dazu gab es im Juli eine Moorexkursion für die Beteiligten.

 

Am 26.Juli wurde für 20 Interessierte des Artenschutzzentrums und des Landesamtes für Umwelt ein Praxistag am Bannwaldsee durchgeführt.

Beim Hoibarfest mit der Ernennung der neuen Bergwiesenkönigin in Pfronten im September wurde über das Projekt „Wiederherstellung einer Bergwiese in den Schönen Oiben“ berichtet und dazu eine Fotoausstellung gezeigt.

Wirtschaftlicher Geschäftsbereich

Im Rahmen des wirtschaftlichen Geschäftsbereiches kümmerte sich der LPV vor allem um Ausgleichsflächen, im Jahr 2021 insbesondere für die Städte Marktoberdorf und Füssen und die Gemeinden Aitrang und Wald. Weiterhin werden auch zahlreiche Ausgleichsflächen im Auftrag der Autobahn GmbH (früher: Autobahndirektion Südbayern) betreut, vor allem im Mindelquellgebiet und in der Umgebung von Füssen und Enzenstetten.

Mitgliederversammlung am 22. September 2021

Die Jahresmitgliederversammlung 2021 fand im September im Saal Ostallgäu des Landratsamtes statt. Es wurde über die laufenden und abgeschlossenen Landschaftspflegearbeiten berichtet, die neue Website vorgestellt und ein erster Zwischenstand vom neuen Wiesenhilfsprojekt präsentiert.

Kontakt

Geschäftsstelle des Landschaftspflegeverbands Ostallgäu
Annette Saitner

Tel. 08342 911-375

 
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