Jahresbericht 2021

Veterinäramt

Tierseuchen

Die Tierseuchenbekämpfung sowie die Bekämpfung der vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen) ist nach wie vor eine der wichtigsten Aufgaben des amtstierärztlichen Dienstes.

 

 


Animal-Health-Law


Am 20. April 2021 ist eine neue europäische Verordnung in Kraft getreten, die einen einheitlichen EU-Rechtsrahmen für Tiergesundheit geschaffen hat, das „Animal Health Law“, kurz AHL.  Sie regelt die Vorbeugung gegen gelistete und neu auftretende Tierseuchen für Landtiere, Wassertiere und sonstige Tiere in Europa. Die frühere Unterteilung nach anzeigepflichtigen Tierseuchen und meldepflichtigen Tierkrankheiten ist seitdem nicht mehr gültig. Neben dem Basisrechtsakt regeln Tertiärrechtsakte (delegierte und Durchführungsrechtsakte) das genauere Vorgehen für die jeweiligen Seuchen.

 

Blauzungenkrankheit (Bluetongue, BT) - Allgemeinverfügung aufgehoben

Ausgehend von positiven Blauzungen-Fällen in Baden-Württemberg im Jahr 2019 war ein Blauzungenkrankheit-(BT)-Restriktionsgebiet im nördlichen Landkreis Ostallgäu eingerichtet worden. Die Aufhebung eines Restriktionsgebiets ist nach EU-Recht frühestens zwei Jahre nach Feststellung des auslösenden BT-Falles möglich. Über die Aufhebung entscheidet die EU-Kommission.

 


Das Landratsamt Ostallgäu konnte die seit 2019 bestehende Allgemeinverfügung aufheben, so dass ab 25. Juni 2021 keine Einschränkungen in Bezug auf die Blauzungenkrankheit mehr gelten.

 


Der letzte BT-Fall innerhalb Deutschlands wurde im Februar 2021 aus Rheinland-Pfalz gemeldet. Dieser Fall hat aufgrund der Entfernung keine Auswirkungen auf Bayern. Er zeigt aber, dass weiterhin Fälle auftreten und ggf. bestehende Restriktionsgebiete ausgedehnt und verlängert werden können. Deshalb empfiehlt das Veterinäramt Ostallgäu dringend die Fortführung der Impfung. Es wäre unnötig, die aktuelle Impfdecke zu verringern und bei einem Ausbruch erneut von Handelsbeschränkungen betroffen zu sein.

 

 

Was ist die Blauzungenkrankheit?


Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine durch stechende Mücken (Gnitzen) übertragene Infektionskrankheit. Erreger ist das Bluetounge-Virus. Es kann bei Schafen und Rinder zu akuten, teils schwerwiegenden Krankheitsverläufen führen. Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer sind für die BT ebenfalls empfänglich. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich. Fleisch und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

 

 

 

Afrikanische Schweinepest (African swine fever, ASP)

In Deutschland wurde die Afrikanische Schweinepest erstmals im September 2020 bei einem Wildschwein im Spree-Neiße-Kreis (Brandenburg) nachgewiesen.  Seither gab es weitere ASP-Fälle in Brandenburg und Sachsen. Die Ausbreitung der ASP ist dynamisch und mittlerweile bis auf rd. 250 km an die nördliche Grenze von Bayern herangerückt.

 


Bekämpfungskonzept


Auf Basis des Rahmenplans, von dem im Jahresbericht 2020 schon berichtet wurde, bereitet sich das Veterinäramt kontinuierlich auf einen möglichen Ausbruch im Landkreis vor. Die bereits laufenden Präventionsmaßnahmen und Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung werden fortlaufend intensiviert. Hinzu kommt ein intensives Monitoring, bei dem verendete, verunfallte und auffällig erlegte Wildschweine auf das ASP-Virus untersucht werden. Bergetrupps für die Suche nach Wildschweinkadavern im Falle eines Ausbruchs wurden mobilisiert und geschult. Landwirte werden stetig auf eigene Schutzmaßnahmen aufmerksam gemacht.
Auch für landwirtschaftliche Betriebe kann der Ausbruch der ASP zu gravierenden Folgen führen, deshalb ist es wichtig alle Schweinehaltungen, insbesondre Freiland- und Auslaufhaltungen aber auch kleine Haltungen sowie Hobbyhaltungen vor einer Infektion zu schützen. So sollten die Biosicherheitsmaßnahmen dringend eingehalten werden.

 

Was ist zu tun?


Bei Verdacht auf das Vorliegen der Schweinepest oder bei Auffinden eines verendeten Wildschweins ist das Veterinäramt zu verständigen.
Eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die ASP ist die nachhaltige und entschlossene Bejagung von Schwarzwild, mit dem Ziel die Population empfänglicher Tiere zu reduzieren und damit eine Infektkette zu unterbrechen.

 

 

Was ist die Afrikanische Schweinepest?


Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft. Es handelt sich um eine gelistete Tierseuche der Kategorie A (früher anzeigepflichtige Tierseuche). Die Übertragung erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier oder indirekt, z. B. über kontaminierte Gegenstände. Insbesondere Speiseabfälle aus nicht durchgegarten Schweinefleischprodukten (z. B. Salami, Rohschinken) stellen eine mögliche Infektionsquelle dar. Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen und andere Tierarten als Schweine besteht nicht. Auch der Verzehr von Fleisch und Wurstwaren von infizierten Tieren führt nicht zu einer Infektion beim Menschen.

 

Aviäre Influenza

Auf Basis von Risikoanalysen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erließ das Veterinäramt im März dieses Jahres für mehrere Wochen eine Allgemeinverfügung zum Schutz des Geflügels vor der Aviären Influenza. Halter von Geflügel mussten ihre Tiere aufstallen. Zum 1. Mai wurde die Allgemeinverfügung wieder aufgehoben. Durch die Maßnahme konnte ein weiteres Ausbreiten der Seuche bzw. größere Ausbrüche verhindert werden.


Gerade in der kalten Jahreszeit nimmt das Risiko eines Eintrags von Geflügelpest in Hausgeflügelbestände aber wieder zu. Halter von Geflügel sind deshalb aufgefordert, dem Veterinäramt die Haltung anzuzeigen und Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz ihrer Tiere anzuwenden. Aktuell (Stand November 2021) wurden bereits positive Befunde bei Wildvögeln in den Landkreisen Cham und Nürnberger Land festgestellt. Soweit das Risiko weiterhin steigt oder im Landkreis Ostallgäu ein Wildvogel mit positivem Ergebnis getestet wird, muss auf der Grundlage des AHL erneut eine allgemeine Aufstallungsverpflichtung angeordnet werden.

 

 

Was ist Aviäre Influenza?


Die Aviäre Influenza – Geflügelpest oder umgangssprachlich Vogelgrippe genannt – ist eine seuchenhafte Infektionskrankheit, die vor allem Hühnervögel (Hühner, Puten, Fasane u.a.) betrifft. In Einzelfällen können sich auch Säugetiere, so auch der Mensch, anstecken (Zoonose). Es wird zwischen niedrigpathogenen und hochpathogenen aviären Influenzaviren unterschieden. Beide Formen sind gelistete Tierseuchen nach dem EU-Tiergesundheitsrechtsakt.

 

Tierschutz

Der Schwerpunkt im Fachbereich Tierschutz lag, wie bereits im Vorjahr, auch im Jahr 2021 auf Kontrollen aufgrund von Tierschutzanzeigen aus der Bevölkerung (Kleintier- und Nutztierhaltungen) und in der Überwachung der tierschutzrechtlichen Vorgaben im Rahmen von Tiertransporten. Hierbei handelte es sich überwiegend um die Abfertigung von Zuchtrindertransporten innerhalb der EU. Lange Kälbertransporte wurden im Landkreis Ostallgäu auch im Jahr 2021 weiterhin nicht abgefertigt. Vor allem aus dem Stadtgebiet Kaufbeuren war eine Zunahme der Tierschutzbeschwerden aus dem Bereich der Haltung von Kleintieren (v.a. Hunde und Katzen) und kleinen Heimtieren zu verzeichnen.
Beim Tierschutz arbeitet das Veterinäramt auch mit den im Ostallgäu ansässigen Tierheimen (Marktoberdorf, Füssen, Beckstetten) zusammen, für die es auch gleichzeitig Überwachungsbehörde ist.

 


Der Tierschutz umfasst insbesondre auch die Prophylaxe. Hier ist eine der Routineaufgaben die Bearbeitung von Anträgen auf eine Erlaubnis gemäß §11 Tierschutzgesetz (z. B. Ausbildung von Hunden für Dritte, Betrieb von Reit- und Fahrbetrieben). Eine Zunahme ist hierbei bei den Anträgen auf eine Erlaubnis gemäß § 11 Tierschutzgesetz im Bereich soziale/therapeutische Arbeit mit Tieren zu verzeichnen. Weiterhin wurde im Fachbereich Tierschutz das Verbringen von Heimtieren (v. a. Hunden und Katzen) durch Tierschutzorganisationen aus dem EU-Ausland in den Landkreis Ostallgäu überwacht.  

 


Zu verzeichnen war im Kalenderjahr wie in den Jahren zuvor eine weitere Zunahme der mobilen Hühnerställe, bei denen eine Kontrolle der Einhaltung der tierschutzrechtlich vorgegebenen Mindestanforderungen durch das Veterinäramt vor Inbetriebnahme erfolgt.
Eine weitere Zunahme war im Bereich der Schlachtungen von Rindern im Herkunftsbetrieb zu verzeichnen. Grund hierfür ist in einer Änderung der Rechtslage zu sehen, die nun auch die Schlachtung von Rindern im Herkunftsbetrieb ermöglicht, die nicht ganzjährig im Freien gehalten werden. Im Ostallgäu wurden diese Schlachtungen bisher ausnahmslos durch einen bereits EU-zugelassenen Schlachtbetrieb durchgeführt. Diese Entwicklung ist mit dem Hintergrund einer tierschutzgerechteren Tötung der Tiere (Vermeidung von Transportstress) zu begrüßen.

 


Es wurde erstmalig die Errichtung und der Betrieb eines sog. Saufangs (mobile Fangeinrichtung für Schwarzwild) durch die Untere Jagdbehörde genehmigt. Nach erfolgter Abnahme durch das Veterinäramt hinsichtlich der tierschutzrechtlich bedeutsamen Auflagen, konnte diese im Oktober 2021 in Betrieb genommen werden. Der Saufang dient der gezielten Bejagung von Schwarzwild und damit der Prophylaxe gegen die Afrikanische Schweinepest.
Die jährlich in Buchloe stattfindende Alpakaschau konnte dieses Jahr unter Berücksichtigung der notwendigen Schutzmaßnahmen hinsichtlich der Corona-Pandemie nach einem Jahr Pause wieder stattfinden.

 

Kontakt

Landratsamt Ostallgäu
Veterinäramt

Schwabenstraße 11

87616 Marktoberdorf

Tel. 08342 911-211
Fax 08342 911-559
 
E-Mail schreiben

Durch das Laden dieser Ressource wird eine Verbindung zu externen Servern hergestellt, die evtl. Cookies und andere Tracking-Technologien verwenden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

YouTube-Videos laden