Jahresbericht 2021

Personenstand und Ausländerwesen

Unterbringung von Flüchtlingen: Rückläufige Zuzugszahlen

Das Jahr 2025 war bisher geprägt von merklich rückläufigen Zuzugszahlen bei Asylbewerbern, aber dafür leicht steigenden Neuankünften von Personen aus der Ukraine. Im ersten Fall bewegten sich die Neuzuweisungen lediglich im unteren zweistelligen Bereich, was eine deutliche Veränderung zu den Vorjahren darstellte und auch zu einer leichten Entspannung im Bereich der Unterbringung führte. So konnte die Überbelegung in den Asylunterkünften reduziert und die Notunterbringung von Asylbewerbern in der Berufsschulturnhalle in Marktoberdorf beendet werden. Die überwiegend aus der Türkei und Afghanistan stammenden jungen Männer wurden in der neu in Betrieb genommenen Asylunterkunft in Füssen untergebracht. Dort konnte ein Teil des ehemaligen OBI-Marktes angemietet und mit Containern ausgestattet werden. Inzwischen leben hier etwa 70 Asylbewerber.

 

Die Inbetriebnahme dieser Unterkunft war mit einem hohen (nicht nur technischen) Aufwand und der Beteiligung vieler verschiedener Akteure verbunden. Letztlich konnte dadurch aber die Belegung weiterer Turnhallen oder anderer kreiseigener Gebäude verhindert werden.

 

 

Weitere Unterbringungen

 

Bei einer kleineren Wohnstätte mit nur wenigen Bewohnern in Halblech lief der befristete Mietvertrag im Jahr 2025 aus und auf eine Verlängerung der Laufzeit wurde verzichtet. Dafür entstanden in Westendorf zwei weitere dezentrale Unterkünfte anstelle der ursprünglich dort vorgesehenen Containeranlage am ehemaligen kreiseigenem Bauhof. In einem Privathaus und der ehemaligen Betriebsleiterwohnung des Bauhofes können nun insgesamt 30 Asylbewerber untergebracht werden.

 

Ein anderes Projekt scheiterte kurz vor Baubeginn im Oktober 2025 am Widerstand aus Teilen der Bevölkerung. In Obergünzburg sollte als Ersatz für die Asylunterkunft am Forstweg eine Containeranlage auf der Rösslewiese entstehen. Obwohl die zeitintensiven Vorarbeiten abgeschlossen und die Container schon beauftragt waren, stoppte eine Bürgerinitiative dieses Vorhaben. 

 

 

 

 

 

Belegungszahlen und Unterbringungsorte

Aufgrund der rückläufigen Zuzugszahlen gibt es derzeit für die im Landkreis Ostallgäu aufhältigen Asylbewerber ausreichend Quartiere. Neuanmietungen sind nicht zuletzt wegen der zuletzt moderaten Zuweisungszahlen vorerst nicht vorgesehen. Der Landkreis Ostallgäu ist vielmehr bemüht, die bestehenden Mietverträge und die Laufzeiten der Asylunterkünfte zu verlängern. Insgesamt gibt es 45 Asylunterkünfte im Landkreis, das sind einfache Wohnhäuser, ehemalige Pensionen oder Geschäftshäuser, Pfarrhöfe, Gewerbehallen, Containeranlagen oder Modulbauten. 24 Kommunen des Landkreises beteiligen sich bisher an der Unterbringung von Flüchtlingen. Nicht einbezogen sind dabei jedoch die vielen Privatwohnungen im ganzen Landkreis, in denen ukrainische Staatsangehörige seit Beginn des Krieges Zuflucht gefunden haben.

 

Die aktuellen Belegungszahlen weisen 1.145 Asylbewerber im Landkreis auf. Davon sind rund 30 % sog. Fehlbeleger, also Flüchtlinge mit Aufenthaltsstatus, welche das Recht haben, die Asylunterkunft zu verlassen. Aus der Ukraine sind derzeit 136 Personen in der dezentralen Unterbringung erfasst, wobei hier eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist.

 

 

 

Unterhalt und Betrieb der Unterkünfte

Für einen reibungslosen Ablauf des Zusammenlebens der verschiedenen Nationalitäten, Kulturen und Religionen in den vom Landkreis betriebenen Quartieren sorgen neben den dort beschäftigten Hausverwaltern seit einiger Zeit auch die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Der hohen Abnutzung der Gebäude wird mit ständigen Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen begegnet. Die örtlichen Firmen sind hierbei unverzichtbare und zuverlässige Auftragsnehmer. Daneben unterliegen die Gebäude allerlei Prüf- und Wartungspflichten, deren Einhaltung überwacht wird. Inzwischen notwendig gewordene Sanierungsmaßnahmen sind für das Jahr 2026 vorgesehen.

 

 

 

Erfolgreiche Aufenthaltsbeendigung

Die benannte Entspannung resultierte jedoch auch aus erfolgreichen Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung, die seitens der Ausländerbehörde im Zusammenwirken mit der Zentralen Ausländerbehörde in Augsburg sowie der Zentralen Rückkehrberatung Südbayern umgesetzt werden konnten. Neben der Abschiebung von 14 ausreisepflichtigen und teils (schwer) straffälligen Asylbewerbern konnten vor allem 74 weitere Asylbewerber von einer freiwilligen Ausreise überzeugt werden, was kumuliert der Einsparung zahlreicher kleiner oder einer großen Asylunterkunft gleichkommt.

 

 

 

 

Staatsangehörigkeitsrecht

Ziel einer Einbürgerung ist es, die Integration langjährig im Bundesgebiet lebender Ausländer zu fördern. Die Einbürgerung ist als Abschluss eines hinreichenden Integrationsprozesses und Grundlage weiterer Integration gedacht. Der Wunsch auf Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung ist bei den im Landkreis Ostallgäu dauerhaft lebenden Ausländern nach wie vor vorhanden.

 

Mit dem zum 27.06.2024 in Kraft getretenen neuen Staatsangehörigkeitsgesetz wurden die Voraussetzungen zur Einbürgerung vereinfacht und die Mehrstaatigkeit wurde zugelassen, was zu einer etwa Verdreifachung der bis dahin ohnehin schon gestiegenen Antragszahlen geführt hat. Mit Wirkung vom 30.10.2025 wurde die sogenannte „Turboeinbürgerung“ seitens der Bundesregierung wieder abgeschafft. Weitere Änderungen in dem Rechtsbereich sind nicht auszuschließen.

 

Im Jahr 2025 wurden 505 Anträge auf Einbürgerung gestellt, von diesen Anträgen wurden 140 Einbürgerungsverfahren erfolgreich abgeschlossen.

 

 

 

Neue Aufteilung: Flüchtlings- und Integrationsberatung teilt den Landkreis in drei Gebiete

Seit dem 1. Januar 2025 ist die Flüchtlings- und Integrationsberatung im Ostallgäu neu organisiert. Die Beratung wurde auf die drei Regionen Nord, Mitte und Süd aufgeteilt: Im Norden rund um Buchloe berät Beata Wanagiel (Diakonie), in der Mitte – Marktoberdorf und Umgebung – kümmern sich Thomas Fichtl und Lucia Reichart (Caritas), und für den Süden rund um Füssen ist Mirsada Tabak (Landratsamt Ostallgäu) Ansprechpartnerin. Das Beratungsteam unterstützt Geflüchtete bei Herausforderungen des alltäglichen Lebens und leistet einen Beitrag zur Integration in Arbeit und Ausbildung. Besonders in den ersten drei Jahren nach der Ankunft bieten die Beratenden eine wichtige und gezielte Unterstützung. Neben der Flüchtlings- und Integrationsberatung sind nach wie vor die Migrationsberatung mit Jennifer Steber (Caritas) und das TAFF-Angebot (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge) mit Ralf Maschke-Müller (Diakonie) für den gesamten Landkreis tätig.

 

 

 

Neu im Team der Kommunalen Integration: Mitarbeiterin für die Integreat App und Wohnungslotsin für Zugewanderte

Im September 2025 erhielt das Team der Kommunalen Integration personelle Verstärkung: Martina Hindelang übernahm die Verwaltung der Integreat App und sorgt seither dafür, dass wichtige Informationen für Zugewanderte sowie Hauptamt und Ehrenamt aktuell und übersichtlich bereitgestellt werden. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Förderung der Integration im Landkreis wurde im Oktober 2025 getan: Mit Andrea Veres konnte erstmals eine Wohnungslotsin eingestellt werden, die gezielt zugewanderte Menschen bei der Suche nach Wohnraum unterstützt. Die Finanzierung beider Stellen wurde durch die einmalige Integrationspauschale ermöglicht und ergänzt das bestehende Unterstützungsangebot zur Integration von zugewanderten Menschen im Landkreis Ostallgäu wirkungsvoll.

 

 

 

Veranstaltungen für ehren- und hauptamtliche Integrationsakteure

Im Jahr 2025 fanden erneut zahlreiche Veranstaltungen für ehren- und hauptamtliche Integrationsakteure im Landkreis Ostallgäu statt, die einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des interkulturellen Austauschs sowie zur Vernetzung und Weiterbildung aller Engagierten in der Integrationsarbeit leisteten.

 

Den Auftakt bildete im Januar die Kinovorstellung „Tatami“ in der filmburg Marktoberdorf.  Der Film erzählt die Geschichte der iranischen Judoka Leila, die bei der Weltmeisterschaft in Tiflis antritt und sich dem Druck des iranischen Regimes widersetzt, einen Kampf gegen eine israelische Gegnerin zu boykottieren. Im Verlauf des Jahres wurden in einem regelmäßigen Turnus Infostunden zu integrationsbegleitenden Erstinformationen angeboten (Februar, April, Juni, November). Dieses einstündige Online-Format richtete sich an Ehrenamtliche und Interessierte, um einen niedrigschwelligen Einstieg in die Integrationsarbeit zu schaffen und aktuelle Fragen zu beantworten. Auch der regelmäßige Stammtisch für Ehrenamtlichen wurde 2025 fortgeführt. So fand im März ein Stammtisch mit Vertretenden des Sozialamtes und Jobcenters statt, während im Juli ein weiterer Stammtisch gemeinsam mit der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Allgäu organisiert wurde. Ein besonderes Highlight war der Stammtisch im September, der mit einem gemeinsamen Essensbuffet und der anschließenden Kinovorstellung „Samia“ und Filmgespräch in der filmburg Marktoberdorf einen wertschätzenden Rahmen für den Austausch und das Miteinander gab. Zum Jahresabschluss trafen sich die Ehrenamtlichen im Dezember zu einem letzten Stammtisch im Landratsamt und erhielten ein Jahresabschlussgeschenk als Anerkennung für das Ehrenamt.

 

 

Für die Fachkräfte wurde im Juli die Veranstaltung „Kita-All Inklusive“ durchgeführt. Hier stand der Austausch über unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung unter dem Einfluss verschiedener Herkunftsländer und deren Bedeutung für den pädagogischen Alltag im Vordergrund.

 

 

Ein zentrales Ereignis des Jahres stellte das Integrationsforum im Oktober dar. Landrätin Maria Rita Zinnecker lud alle Integrationsakteure ein, um sich bei abwechslungsreichem Programm über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen auszutauschen. Neben einem Vortrag zur Geschichte des Rassismus standen mehrere Workshops zu den Themen Gesundheit im Migrationskontext, Integration und Kommunikation, der praktische Umgang mit Stammtischparolen sowie der Austausch von Erfahrungen im Mittelpunkt.

 

 

 

Veranstaltungen für zugewanderte Menschen

Im April 2025 fand eine Informationsveranstaltung zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen statt. In Zusammenarbeit mit der IQ-Anerkennungsberatung der Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH erhielten zugewanderte Menschen praxisnahe Informationen zum Anerkennungsverfahren und zu Beratungsangeboten. Ziel war es, die Teilnehmenden beim Zugang zu deutschen Arbeits- und Bildungswegen zu unterstützen.

 

Im Sommer 2025 fand an zwei Wochenenden eine Schulung für Kulturdolmetscher statt, die in Zusammenarbeit mit der Diakonie Allgäu und dem Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren organisiert wurde. Insgesamt konnten 13 Personen mit verschiedenen Sprachkenntnissen als Kulturdolmetscher ausgebildet werden. Die Schulung vermittelte den Teilnehmenden nicht nur sprachliche Kompetenzen, sondern auch interkulturelle Fähigkeiten und das nötige Wissen, um in oftmals schwierigen und emotional belastenden Situationen kompetent dolmetschen zu können.

 

 

 

Kontakt

Landratsamt Ostallgäu
Personenstand & Ausländerwesen

Tel. 08342 911-330

Fax 08342 911-555 

 

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