Inklusion
Ernennung zur Inklusiven Region Ostallgäu offiziell unterzeichnet

Die Ernennung des Landkreises Ostallgäu zur Inklusiven Region, die bereits im Juli erfolgte, ist im November durch die Unterzeichnung von Kultusministerin Anna Stolz, Ministerialdirigent Christian Schoppik und Landrätin Maria Rita Zinnecker besiegelt. Zu diesem Anlass fanden sich die Beteiligten am Freitag im Landratsamt in Marktoberdorf ein.
„Inklusion ist im Landkreis Ostallgäu seit langem ein Schwerpunkt in allen Lebensbereichen“, sagt Landrätin Maria Rita Zinnecker. „Als Inklusive Region erhalten wir nun zusätzliche Ressourcen, um Kindern und Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf noch besser einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Unser Motto ist dabei: Kein Talent darf verloren gehen! Als Inklusive Region sind wir noch besser gerüstet, dieses Ziel zu erreichen.“ Schwerpunkt der Maßnahmen der Inklusiven Region wird laut Zinnecker sein, die vorhandenen fachlichen, personellen und finanziellen Ressourcen ressortübergreifend in kooperativen neuen Modellen optimal und bedarfsgerecht einzusetzen. Dafür bekommt der Landkreis vom Kultusministerium zusätzlich vier Lehrerstellen und drei pädagogische Unterstützungskräfte zur Verfügung gestellt.
Kultusministerin Anna Stolz bedankte sich bei „all denjenigen, die mit ihrem unermüdlichen Engagement diesen Prozess begleitet haben und auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag dazu leisten.“ Gemeinsam werde man in den nächsten Jahren den bisherigen Weg der Inklusion mit aller Kraft weitergehen.
Initiative „Inklusiven Regionen“
Das Kultusministerium startete im Jahr 2019 gemeinsam mit dem Sozialministerium die Initiative Inklusive Regionen. Dabei stand die 2015 gegründete „Modellregion Inklusion“ Kempten Pate.
Die Initiative setzt auf die Vernetzung und systematische Kooperation schulischer und außerschulischer Akteure in den Regionen, um gemeinsam individuell passgenaue und vertiefte Formen eines gemeinsamen Unterrichts und abgestimmter unterstützender Angebote für Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zu erproben.
Bislang gab es in Bayern bereits folgende Inklusive Regionen: Ansbach (Landkreis), Aschaffenburg (Stadt und Landkreis), Miltenberg (Landkreis), Augsburg (Region Nord-West/ Oberhausen), Hof (Stadt), Kempten, Landshut (Stadt und Landkreis), Tirschenreuth (Landkreis) und Weilheim-Schongau (Landkreis).
Inklusionskoordination 2024
Im Landkreis Ostallgäu lebten am 31.12.2023 über 17.270 Menschen, mit einer beim Inklusionsamt gemeldeten Behinderung. Das sind 2055 Personen mehr als noch vor sieben Jahren.
Das hat zwei Gründe. Umso älter wir werden, umso eher haben wir eine schwere Erkrankung, die zu einer Behinderung führt. Nur bei weniger als drei Prozent der Betroffenen ist eine Behinderung angeboren, jedoch in 93% die Folge einer Erkrankung. Über die Hälfte der Menschen mit Behinderung im Ostallgäu ist über 65 Jahre alt.
Der zweite Grund: Mehr Menschen melden beim Inklusionsamt eine Behinderung, weil sie seit langem körperliche oder seelische Einschränkungen haben. Das ist ein gutes Zeichen, denn das Thema Behinderung verliert seinen Tabu-Charakter.
Die Inklusionskoordination hat die Aufgabe, für alle Menschen mit Behinderung die Teilhabe in der Gesellschaft zu erleichtern. Sie unterstützt professionelle und ehrenamtliche Organisationen, welche die Inklusion fördern. Inklusion heißt, dass Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Fortschreibung Aktionsplan
Der erste Aktionsplan wurde 2016 veröffentlicht und hatte 63 Maßnahmen, von denen dreiviertel umgesetzt wurden. Aber es gab in der Zwischenzweit viele Veränderungen, rechtlich und gesellschaftlich. Deshalb entschied der Landkreis, eine Fortschreibung des Aktionsplans zu machen.
Sie umfasst sechs Themenbereiche: Arbeit und Beschäftigung, Bauen und Wohnen, Bildung und Erziehung, Digitalisierung und Kommunikation, Mobilität sowie selbstbestimmt Leben und Wohnen.
Die wichtige Frage am Anfang war: Wie ist die Situation für Menschen mit Behinderung in diesen sechs Themenbereichen im Ostallgäu? Dazu wurden Statistiken untersucht und Interviews mit 45 Fachleuten und elf betroffenen Menschen geführt.
Mit diesen Informationen konnten Fachgruppen für die einzelnen Themenbereiche feststellen, was die Bedarfe für Menschen mit Behinderung im Ostallgäu sind, das nennt man auch Bedarfslage.
Die drei Hauptbedarfe im Bereich Inklusion sind die Verfügbarkeit von Personal für Assistenz, Alltagsbegleitung und Pflege, barrierefreier und/ oder bezahlbarer Wohnraum und zuletzt Mobilität. Das bedeutet, dass man auch ohne Auto zur Arbeit kommt oder Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und andere alltägliche Ort erreicht. Es gibt aber noch viele weitere Bedarfe.
Die Fachgruppen haben zur Verbesserung der Bedarfslage Teilziele und 78 Projektideen formuliert. Die Inklusionskoordination hat den Auftrag, die Umsetzung der Projektideen zu steuern. Neben dem Landratsamt können auch Gemeinden und andere Organisationen diese Projektideen umsetzen. Die Inklusionskoordination des Landkreises spricht dazu diese an und unterstützt sie bei der Umsetzung.
Die Fortschreibung wurde am 12. Juli dem Kreistag vorgestellt, der sie einstimmig annahm.
Verleihung Inklusionsblume

Landrätin Maria Rita Zinnecker hatte am 23. Juli bei einer Festveranstaltung im Landratsamt zwölf Personen und Organisationen mit der Inklusionsblume ausgezeichnet. Diese Ehrung erhalten Einzelpersonen oder Gruppen, die sich in besonderem Maße für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung einsetzen.
In ihrer Begrüßung erwähnte Landrätin Zinnecker die rechtlichen Fortschritte bei der Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderung seit 30 Jahren. 1994 hatte der Bundestag den Artikel 3 des Grundgesetzes erweitert und das Verbot der Benachteiligung aufgrund einer Behinderung ausdrücklich aufgenommen. Die Landrätin betonte aber auch, dass die Gesetze nur den Rahmen für Inklusion bieten. Gefüllt werden muss dieser durch die Arbeit vor Ort von Haupt- und Ehrenamtlichen, um Teilhabe zu ermöglichen.
Dieses Jahr ausgezeichnet wurden:
- - Isabella Dost und Antonia Marazek vom Kochtreff Buchloe,
- - die Projektstelle Kompass – Betriebliche Inklusion,
- - die Offene Behindertenarbeit der Lebenshilfe, Caritas und Bayerischem Roten Kreuz im Ostallgäu,
- - die Kindertagesstätten St. Ulrich Seeg, St. Vitus Mauerstetten, Geisenried Marktoberdorf, St. Gabriel Füssen und Don Bosco Buchloe sowie
- - die Grundschule St. Martin Marktoberdorf.
Die Veranstaltungsgäste waren Vertreter der Kommunen, der Behindertenarbeit, Werkstätten- und Heimbeiräte und die in den vorherigen Jahren Ausgezeichneten. Mit musikalischer Begleitung durch Patricia Betz und Thomas Ganser und Catering durch die Inklusionsfirme „Kantine Frisch und Fair“ gab es noch lange nach dem offiziellen Teil einen interessanten und freundschaftlichen Austausch zwischen den Gästen.
Die Verleihung der Inklusionsblume erfolgt jährlich. Vorschläge können an die Inklusionskoordination des Landkreises per E-Mail inklusion@lra-oal.bayern.de oder telefonisch unter 08342 911 225 gemacht werden.
Fortbildung psychische Erkrankung
Es gibt eine Vielzahl psychischer Erkrankungen: Neben psychotischen Störungen (z.B. Wahnvorstellungen) gibt es auch die Angststörungen (z.B. Angst die Wohnung zu verlassen), die Zwangsstörungen (z.B. ständiges Händewaschen), Depressionen, Suchterkrankungen und weitere.
Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet. Im Landkreis Ostallgäu haben über 2000 Menschen eine psychische Erkrankung als Behinderung anerkannt. Vor allem sind das sogenannte „Neurosen“, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Und davon kann jeder betroffen sein, egal welches Geschlecht oder Alter, ob arm oder reich, ob Landwirtin, Rentner, Angestellte oder Führungskraft.
Im September und Dezember fanden zwei Fortbildungen für Mitarbeitende des Amtes statt. Thema war der Umgang mit psychischen Erkrankungen. Referent war Frank Gebler, Pflegedienstleiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, der über den Hintergrund psychischer Erkrankungen und die Kommunikation mit Betroffenen sprach.
Medienwirksam hört man meistens von Gewalttaten aufgrund psychischer Erkrankung. Auch auf die gilt es vorbereitet zu sein. Im Alltag gibt es aber öfters andere Probleme. Die Krankheit behindert die Betroffenen, mit dem Landratsamt erfolgreich zu kommunizieren. Das kann bedeuten, dass Menschen mit depressiven Störungen nicht die Kraft finden, die notwendigen Formulare auszufüllen oder Unterlagen beizubringen. Es gibt Menschen mit spezifischer Angststörung, die es nicht schaffen einen Brief vom Amt zu öffnen. Personen mit schizoiden Störungen können sich nicht auf den Text im Brief konzentrieren. Auch können die Medikamente für die psychischen Erkrankungen das klare Denken der Betroffenen einschränken.
Verwaltungsmitarbeitende müssen das beachten, wenn es um den Umgang mit Menschen mit psychischer Erkrankung geht. Anhand von Beispielen aus dem Alltag, lernten die Teilnehmenden, wie sie am besten vorgehen können. Mit dem neugewonnenen Wissen sollen die Mitarbeitenden den Betroffenen bei Amtssachen besser helfen können.
Fortbildung Einfache Sprache
Auch dieses Jahr gab es eine Fortbildung für Mitarbeitende des Landratsamtes zum Thema „Einfache Sprache“. Einfache Sprache oder bürgernahe Sprache ist ein wichtiges Instrument, um Verwaltungshandeln verständlich zu machen.
Im Gegensatz zur „Leichten Sprache“ gibt es bei „Einfacher Sprache“ muss nicht jeder Satz in einer eigenen Zeile sein, lange Wörter sind nicht getrennt geschrieben, wie z.B. „Silben-Trennung“ und die Schriftgröße unterscheidet sich auch nicht von einem „üblichen Text.“
Wenn man aber einen Text in einfacher Sprache liest, fallen einem nach einiger Zeit auf:
- Sätze sind nicht sehr lang (15-20 Wörter)
- Sätze sind einfach strukturiert (kein Konjunktiv, Passiv wird vermieden)
- Sätze haben nur einen Nebensatz
- Es werden nur alltägliche Begriffe verwendet
Der Text ist dadurch klar und verständlich. Menschen mit einer kognitiven Einschränkung, mit geringer Lesefähigkeit oder Deutschkenntnissen können Texte in einfacher Sprache verstehen.
Am ersten Tag erhielten die Auszubildenden des zweiten Lehrjahres eine Übersicht zum Thema und probierten in gemeinsamen Übungen aus, wie man eigene Texte einfach schreibt. Am zweiten Tag waren Beschäftigte des Landratsamtes und aus den Gemeindeverwaltungen dran.
Wer Interesse am Thema „Einfache Sprache“ hat, kann bei der Aktion Mensch unter folgendem Link einen kostenlosen Online-Kurs mitmachen:








